Brexit

Treffen im Rahmen der Banken-Verlagerung nach Frankfurt

Thema: 
Europa
09.04.2018Hessisches Ministerium der Finanzen

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Europaministerin Lucia Puttrich und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer treffen mit Leitungen der Banken zusammen, die sich im Zuge des Brexits für eine Verlagerung nach Frankfurt entschieden haben.

15-07-2016_auftakt_arbeitsgruppe_brexit_im_finanzministerium.jpg

Archivbild: Treffen der Arbeitsgruppe Brexit im Juli 2016
Archivbild: Treffen der Arbeitsgruppe Brexit im Juli 2016.
© HMdF

Vertreter der Hessischen Landesregierung haben sich am Montag in der Hessischen Staatskanzlei mit hochrangigen Führungskräften von Banken getroffen, die im Zuge des Brexits ihre Geschäftstätigkeit an den Finanzplatz Frankfurt verlegen oder bestehende Standorte ausbauen werden.

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Europaministerin Lucia Puttrich und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer sprachen im Rahmen eines vertraulichen Austauschs mit den Finanzmanagern über die spezifischen Auswirkungen des Brexits auf die Industrie und die jeweiligen Institute.

Al-Wazir, Puttrich und Schäfer leiten die Steuerungsgruppe Brexit der Hessischen Landesregierung und stellten in diesem Rahmen die hessischen Aktivitäten mit Blick auf die Finanzindustrie dar. Als Folge des Brexits wird für viele Banken eine Verlagerung von Kapazitäten von London in die verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten notwendig. Eine ganze Reihe von Instituten hat bereits erklärt, dass ihre Wahl auf den Finanzplatz Frankfurt gefallen ist.

„Hessen ist sehr international aufgestellt und bereitet sich deshalb wie kein anderes deutsches Bundesland mit einer besonderen Arbeitsstruktur auf den Brexit vor“, sagte Europaministerin Lucia Puttrich bei dem Treffen. „Der Finanzplatz Frankfurt spielt in Hessen eine besondere Rolle. Daneben haben wir führende Unternehmen der Automobil- oder Pharmabranche und weitere prägende Schlüsselindustrien. Und auch das Verkehrsdrehkreuz Rhein-Main und der Flughafen Frankfurt werden durch den Brexit betroffen sein.“

Themengruppen der Brexit-Arbeitsstruktur:

Mit den drei Themengruppen der Brexit-Arbeitsstruktur - „Standortmarketing und Auswirkungen auf die Realwirtschaft“, „Optimierung des Rechtsrahmens für den Finanzplatz Frankfurt“ sowie „Bund und Europa“ begleitet die Hessische Landesregierung die Verhandlungen zum Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union von Anfang an sehr eng und bringt hessische Interessen und Positionen frühzeitig in Brüssel und Berlin ein. Im Bereich der Finanzindustrie ist es so gelungen, eigene Initiativen auf den Weg zu bringen.

„Der Brexit macht für britische Finanzinstitute mitunter beträchtliche Verlagerungen in die EU-27 erforderlich und das ist für die betroffenen Unternehmen und Arbeitnehmer nicht immer ganz einfach“, so Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der weiter sagte: „Damit das möglichst reibungslos funktioniert, arbeiten wir im Hessischen Finanzministerium mit Nachdruck an der Optimierung der rechtlichen Rahmenbedingungen. So haben wir bereits erreicht, dass der Koalitionsvertrag eine Anpassung des Kündigungsschutzgesetzes für Spitzenverdiener vorsieht. Daneben haben wir in der hessischen Finanzverwaltung eine englischsprachige Anlaufstelle sowie eine eigene Homepage eingerichtet, die  Neuankömmlingen erste Schritte im deutschen Steuerrecht erleichtern soll.“

Stärker vom Brexit profitieren als andere Finanzstandorte

Derzeit haben 18 Finanzinstitute öffentlich erklärt, Aktivitäten nach Frankfurt zu verlagern. Damit führt Frankfurt den europäischen Standortwettbewerb an und könnte deutlich stärker vom Brexit profitieren als andere Finanzstandorte in Europa. Die Hessische Landesregierung sieht darin einen wichtigen Teilerfolg ihrer Aktivitäten und zugleich die Verpflichtung, die Banken und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Umzug zu unterstützen.

Internationale Schulen und Universitäten und eine moderne Infrastruktur spielen hier eine wichtige Rolle. Die Minister waren deshalb auch interessiert, Hinweise und Anregungen der Bankenvertreter zu hören.

Frankfurt: der wichtigste Finanzplatz Kontinentaleuropas

„Jeder weiß, dass Frankfurt der wichtigste Finanzplatz Kontinentaleuropas ist“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Aber dass die Region auch bei den sogenannten weichen Standortfaktoren punktet und jede Menge Lebensqualität bietet, hat sich noch nicht so herumgesprochen. Ich war seit dem Brexit-Referendum viermal in London und habe immer wieder darauf hingewiesen, dass Frankfurt mehr ist als Bankentürme und Flughafen.“

Bei der Frage nach der Zahl der Arbeitsplätze, die als Folge des Brexits entstehen werden, vertritt die Hessische Landesregierung von Beginn an eine konservative Schätzung und verweist auf eine Analyse von Helaba Research. Deren Experten halten in den kommenden Jahren 8.000 zusätzliche Stellen im Frankfurter Bankensektor für möglich, von denen sicherlich etliche auf dem lokalen Arbeitsmarkt mit einheimischen Kräften besetzt würden. Gerade angesichts des andererseits in den letzten Jahren aus unterschiedlichen Gründen zu beobachtenden Abbaus von Arbeitsplätzen im Finanzbereich ist das eine Chance, die Beschäftigung stabil zu halten.‎

Das Gespräch bildet den Auftakt für den direkten Austausch

Das Gespräch zwischen Bankvorständen und den drei Ministern bildete den Auftakt für den direkten Austausch in dieser Runde. „Wir können sehr selbstbewusst auf eine einzigartige Infrastruktur des Finanzplatzes Frankfurt und in der Region verweisen. Zugleich freuen wir uns über die Entscheidung der Banken, die eine Stärkung des hiesigen Standortes bedeutet. Das haben wir heute ebenso zum Ausdruck gebracht, wie das Selbstverständnis, gemeinsam mit unseren Partnern in der Stadt und der Region sowie des Finanzplatzes im weiteren Prozess zu unterstützen“, lautete das Fazit von Tarek Al-Wazir, Lucia Puttrich und Dr. Thomas Schäfer.

An dem Treffen nahmen auch Vertreter der FrankfurtRheinMain Marketing of the Region GmbH, der Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt sowie der Initiative Frankfurt Main Finance und des Verbands der Auslandsbanken teil. 

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Ralph-Nicolas Pietzonka
Hessisches Ministerium der Finanzen
+49 611 32 24 57
+49 611 32 24 33
presse@hmdf.hessen.de
Schließen