Interview mit Hessens Co-CIO Roland Jabkowski

„Lasst uns voneinander lernen, lasst uns einander helfen“

Hessens Co-CIO Roland Jabkowski im Gespräch mit INFORM (Ausgabe 4/18), dem Magazin der HZD, zum Onlinezugangsgesetz und dem geplanten Dokumentenmanagement-System.

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Co-CIO Roland Jabkowski
Hessens Co-CIO Roland Jabkowski.
© HMdF / Fredrik von Erichsen

Herr Jabkowski, nach der 2015 vorgestellten Landes-Agenda „Digitale Verwaltung Hessen 2020“ hat das im letzten Jahr in Kraft getretene Onlinezugangsgesetz für zusätzliche Dynamik auf allen Ebenen gesorgt. Wie kompatibel sind denn die neuen Anforderungen des OZG mit den bisherigen Strategien?

Hessen treibt die Verwaltungsmodernisierung mit seiner 2003 begonnenen E-Government-Strategie und mit der landesweiten Digitalstrategie schon seit vielen Jahren kontinuierlich voran. Wir schreiben unsere Strategien ständig fort und passen sie so an die neuen Herausforderungen der Zeit an. Das haben wir in der Vergangenheit stets so gehandhabt und tuen dies auch heute so. Nicht umsonst sind wir in Hessen bundesweit vorne dabei, wenn es um die digitale Verwaltungsmodernisierung geht. Auch, weil wir erkannt haben, dass neben stetiger Verbesserung der IT-Strukturen eine Kräftebündelung und Standardisierung unserer IT-Landschaft vonnöten ist. Meine wichtigste Aufgabe, auch und gerade wenn es um die Umsetzung des OZG geht, sehe ich darin, Brücken zu bauen und Entscheider aus Wirtschaft und Verwaltung an einen Tisch zu bringen.

Auch wenn in Hessen alle an einem Strang ziehen: Die Umsetzung des OZG bis 2022 bleibt eine Herkulesaufgabe – für die Beteiligten in Bund, Ländern und Kommunen. Das neue Serviceportal stellt Informationen und Dienstleistungen aus der hessischen Verwaltung bereit und bietet einen direkten Online-Zugang. Im Rahmen der OZG-Umsetzung wird es zu dem Portal ausgebaut werden, über das alle Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen alle relevanten, elektronischen Verwaltungsleistungen finden und nutzen können. Wir arbeiten ferner daran, dass zukünftige Bürgerportal des Bundes mit dem hessischen Serviceportal zu verknüpfen, so dass auch dort die Informationen aus Hessen im Verbundportal des Bundes und der Länder zur Verfügung stehen. Hessen hat hier den Trend schon früh erkannt und beim Aufbau des Verwaltungsportals bereits berücksichtigt. Das zeigt sehr eindrücklich, wir das bisher Vorhandene und Entwickelte erfolgreich in an die Vorgaben des OZG anpassen.

Wie sehen die Erkenntnisse des OZG-Vorprojekts aus, wie die nächsten Etappenziele?

In den drei hessischen Regierungspräsidien in Darmstadt, Kassel und Gießen werden derzeit alle Verwaltungsleistungen erfasst und analysiert. Das gesamte Jahr 2018 stand und steht im Zeichen des Vorprojektes zur Digitalen Modellbehörde. Hier werden die entscheidenden Grundlagen gelegt und wir kommen auf diesem Weg Stück für Stück erfolgreich voran. Bei unseren bisherigen Arbeiten hat sich sehr deutlich gezeigt, dass bei der Umsetzung des OZG eine länder- und ebenenübergreifende Zusammenarbeit fundamental ist. Folgerichtig hat sich der IT-Planungsrat, das föderale Gremium von Bund und Ländern auf dem Gebiet der IT, für ein bundesweit arbeitsteiliges Vorgehen entschieden. Auch und gerade die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen ist essentiell, damit diese am Ende erfolgreich ihren Beitrag zur Umsetzung leisten können. Dazu gehört ebenso, dass Länder und Kommunen auf gemeinsam entwickelte Standards zurückgreifen. Wenn wir für ein Antragsverfahren 15 verschiedene Lösungen entwickeln, kann dies nicht im Sinne des Erfinders sein. Gemeinsame Standards, auf die alle zurückgreifen, sind wesentlich sinnvoller. Wichtig ist auch, dass die Umsetzung des OZG nicht isoliert betrachtet werden darf. In Hessen stellen wir die Umsetzung deshalb in den Kontext unserer Gesamtstrategie. Nur so macht es Sinn. 

In Hessen möchten wir bis zum Start der nächsten Legislaturperiode weiter an unseren programmatischen Inhalten feilen. Was uns hilft, ist die Tatsache, dass man in Hessen schon sehr früh einen besonderen Fokus auf eine professionelle IT-Organisation und die Standardisierung von sogenannten Querschnittsverfahren gelegt hat. Wir konnten so nicht nur unsere IT-Kosten senken, sondern auch neue IT-Innovationen aufbauen. Beispielhaft ist hier der HessenPC, der rund 60.000 Arbeitsplätzen in der Landesverwaltung zur Verfügung steht und in der neuen Variante zudem modernste Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten und zur Telearbeit bietet. Wir in Hessen haben eine sehr solide Basis, um die digitale Transformation erfolgreich weiter zu gestalten. Auch im IT-Föderalismus in Deutschland steckt nach meiner Einschätzung großes Potenzial für die konsequente Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung. Grundvoraussetzung dafür ist aber zweifellos die verstärkte Zusammenarbeit. Lasst uns voneinander lernen, lasst uns einander helfen. Nur so geht es. Das muss in unser aller Köpfe rein.

Zum Schluss bitte noch ein kurzes Statement zum neuen, für 2019 avisierten Dokumentenmanagement-System (DMS) in der hessischen Verwaltung?

Ein weiteres Teilstück auf dem anspruchsvollen Weg zur digitalen Verwaltung ist unser neues hochmodernes Dokumentenmanagement-System, das den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Verwaltung schon bald zur Verfügung steht. Ab dem Jahr 2019 werden die ersten Dienststellen des Landes darauf zurückgreifen können. Das Projekt DMS-Modernisierung, das bereits 2017 begonnen hat, erarbeitet zurzeit die Voraussetzungen für die landesweite Einführung. Die Implementierung der neuen Lösung wird in einer Pilotphase in der HZD und der hessischen Oberfinanzdirektion im nächsten Jahr erfolgen.

Die HZD wird übrigens den künftigen Betrieb der Lösung sicherstellen und auch als Teil der Gesamtprojektleitung fungieren.

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