Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland im Interview

„Nachhaltigkeit lebt vom Mitmachen“

Mit dem Projekt „CO2-neutrale Landesverwaltung“ übernimmt das Land Hessen eine Vorreiterrolle. Im Interview mit Daniel Timme vom TÜV Hessen spricht Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland zum Hintergrund, der Intention und den Effekten der Initiative.

Portrait Bernadette Weyland Großformat

Portraitbild der Hessischen Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland.
Die Hessische Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland.
© HMdF

Frau Dr. Weyland, was hat es mit der „CO2-neutralen Landesverwaltung“ auf sich?

Dr. Bernadette Weyland: Wir haben uns das ambitionierte Ziel gesetzt, unsere Landesverwaltung klimaneutral zu stellen, ganz konkret: null CO2-Emissionen im Jahr 2030. Unser verbleibender Energieverbrauch soll möglichst durch erneuerbare Energieträger gedeckt werden. Hessen ist das erste Bundesland, das das in dieser Form anpackt. Federführend für das Projekt und seine Umsetzung ist das Finanzministerium. Das übergeordnete Ziel ist es, dass Hessen als Ganzes bis 2050 klimaneutral ist.

Die Landesverwaltung ist unbestritten ein großer Arbeitgeber. Aber die Effekte auf den Klimaschutz bleiben doch überschaubar, wenn die Beschäftigten in einigen Verwaltungsgebäuden auf ihre CO2-Bilanz achten ...

Natürlich ist uns bewusst, dass sich in anderen Bereichen größere CO2-Einsparungen erzielen lassen. Wir gehen hier als Pioniere voran, weil Neuerungen, die auf Verhaltensänderungen der Menschen angewiesen sind, Vorreiter brauchen. Klimaschutz lässt sich am besten durch Vorbilder vermitteln und vorantreiben. Es geht nicht zuletzt um die Strahlkraft des Projektes und die dadurch hervorgerufenen indirekten Effekte – eben auch Nachahmungseffekte. Den Kontext dafür bildet die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen, die 2008 ins Leben gerufen wurde. In ihrem Rahmen bringen wir Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft zusammen und behandeln Themen wie Artenvielfalt, Bildung, Klimaschutz und nachhaltigen Konsum. Das Projekt der CO2-neutralen Landesverwaltung war 2009 eine der ersten Initiativen, die daraus entstand.

Wie sieht die Zwischenbilanz aus?

Schon jetzt nutzen beinahe alle Liegenschaften des Landes Ökostrom. Das Land hat 160 Millionen Euro für die energetische Sanierung von Gebäuden bereitgestellt. Hinzu kommen weitere Maßnahmen in den Bereichen Beschaffung und Mobilität. Die Effekte sind erheblich: Der CO2-Ausstoß der Landesverwaltung wurde seit 2008 um rund 50 Prozent reduziert. Dazu tragen nicht zuletzt das große Engagement der Beschäftigten und ihr geändertes Nutzungsverhalten bei.

Liegt in der Beteiligung vieler Akteure der Schlüssel zum Erfolg?

Ja, eindeutig. Es kommt beim Klimaschutz auf die Beiträge von jeder und jedem Einzelnen an. Jeder kann selbst aktiv etwas tun und damit einen Effekt erzielen. Nachhaltigkeit lebt vom Mitmachen. Am Ende wird das übergeordnete Ziel gemeinsam und über viele kleine Schritte erreicht. Wir wollen als Landesverwaltung deshalb nicht nur Vorbild sein, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger abholen und einbinden.

Wie gehen Sie das an?

Wir nutzen zum Beispiel den Hessentag, um das ins Bewusstsein der Menschen zu bringen – und natürlich den Tag der Nachhaltigkeit. Bei der vierten Auflage am 22. September stand die biologische Vielfalt im Mittelpunkt. An diesem Tag haben wir auch das KLIMAZIN vorgestellt, unser künftiges Kommunikationsinstrument für die „CO2-neutrale Landesverwaltung“. Als eMagazin soll es vor allem digital verbreitet werden, wird aber zusätzlich in kleiner Auflage gedruckt – natürlich klimaneutral und auf Recyclingpapier. Es zielt mit seinen Beiträgen auf ein breites Publikum. Darin werden Entwicklung und Maßnahmen des Projektes der CO2-neutralen Landesverwaltung und seiner Partner vorgestellt und in nationale und globale Zusammenhänge gestellt. Wir wollen damit den konstruktiven Dialog mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft befördern.

Das Lernnetzwerk, dem auch TÜV Hessen angehört, verfolgt eine ähnliche Absicht?

Richtig, im Lernnetzwerk sollen Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz gebündelt werden. Hier werden Ideen zusammengeführt, innovative Konzepte und Technologien diskutiert, Best-Practice-Beispiele ausgetauscht, Projekte initiiert und umgesetzt. Übrigens ist auch die Idee für das KLIMAZIN im Lernnetzwerk entstanden. Es hat inzwischen mehr als 60 Mitglieder: Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und andere Institutionen. Unsere Partner unterstützen das Projekt „CO2-neutrale Landesverwaltung“ aktiv, indem sie uns an neuen Entwicklungen teilhaben lassen oder die Teilnehmer bei den Netzwerktreffen zu sich einladen. TÜV Hessen bringt sich im Lernnetzwerk als unabhängige, neutrale Instanz ein, die den hessischen Unternehmen zur Verfügung steht, die ihre Energieeffizienz erhöhen möchten. 

Quelle: Weyland, Dr. Bernadette: Nachhaltigkeit lebt vom Mitmachen“; in: TÜV Hessen Live, Ausgabe 4/2016, S.34f.

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