Interview

„Kooperation ist das Gebot der Stunde“

Im Interview mit eGovernment Computing vom 3. März 2017 spricht Hessens Co-CIO Roland Jabkowski über die Herausforderungen für die IT- und eGovernment-Strategie des Landes.

hmdf-co-cio-roland-jabkowski_quer.jpg

Portraitfoto des Co-CIO Roland Jabkowski
Co-CIO Roland Jabkowski
© HMdF

Herr Jabkowski, mit dem Ende des diesjährigen Public Sector Parc auf der CeBIT rücken Ihre ersten 100 Diensttage als Co-CIO des Landes Hessen näher. Welche Erfahrungen konnten Sie in dieser Zeit als Co-CIO des Landes Hessen machen?

Jabkowski: 100 Tage können wie im Flug vergehen. Erst recht, wenn man eine neue und zeitintensive Aufgabe angenommen hat. Seit Anfang Januar habe ich meinen beruflichen Mittelpunkt von Wien nach Wiesbaden verlegt. Die ersten Wochen ist man natürlich zunächst einmal sehr damit beschäftigt sich zu organisieren und viele neue Gesichter kennenzulernen. Meine bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv. Die neuen Kolleginnen und Kollegen haben mir den Einstieg wirklich leicht gemacht, wofür ich im Übrigen sehr dankbar bin. Ich wusste bereits aus meiner Zeit in Österreich: Hessen ist ein Bundesland, das in den vergangenen Jahren kontinuierlich seinen Weg im Bereich des E-Governments gegangen ist und dabei einige Pionierentscheidungen getroffen hat. In Hessen entschied man sich beispielsweise 2003, und damit im bundesweiten Vergleich als erstes Bundesland, für die Einrichtung einer CIO-Funktion auf Ebene der Landesregierung. Erfolgreiche  Verfahren, wie etwa die digitale Lehrer- und Schülerdatenbank, mit deren Hilfe man in Hessen die Daten von rund 60.000 Lehrkräften und mehr als 800.000 Schülern zentral verwaltet, nimmt man natürlich auch in Österreich interessiert zu Kenntnis. Wichtig ist für mich persönlich vor allem: Den ersten positiven Eindruck, den ich von Hessen bereits zu meiner Zeit in Österreich hatte, der hat sich in den ersten, annähernd 100 Tagen täglich verfestigt. In meiner neuen Wahlheimat hat man viel für digitale Verwaltungsmodernisierung übrig.

Welche Rolle spielt das neue Landesportal in der Strategie „Digitale Verwaltung Hessen 2020“?

Jabkowski: Die ‚Digitale Verwaltung Hessen 2020‘, also die gegenwärtige IT- und E-Government-Strategie des Landes, umfasst eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen, die sich an die Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen in unserem Land, aber auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der  Verwaltung richten. Das Ziel ist also klar vorgegeben: Wir möchten Angebote und Dienstleistungen künftig noch viel stärker in digitaler Form bereitstellen. Denn die Chancen der Digitalisierung liegen auch im Bereich des Verwaltungshandelns auf der Hand. Dank moderner IT können wir noch gezielter und serviceorientierter auf die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft eingehen. Ich möchte, dass die Verwaltung zukünftig noch stärker als ein attraktiver Dienstleister wahrgenommen wird. Im Übrigen profitiert auch die Verwaltung selbst von moderner IT. Verfahren können so effizienter und schlanker gestaltet werden. Mit dem neuen Verwaltungsportal des Landes haben wir nun den Startschuss für einen zentralen Baustein unserer Strategie gegeben. Auf service.hessen.de finden alle Nutzerinnen und Nutzer Dienstleistungen und vielfältige Informationen in mehr als 150 Themengebieten rund um die Landesverwaltung. Die Informationen können zeitunabhängig und übersichtlich abgerufen werden. Die Angebote sollen in den kommenden Jahren stetig ausgebaut werden. Schon jetzt können Antragsverfahren beispielsweise im Bereich des elektronischen Rechtsverkehrs oder auch BAföG-Anträge online in Anspruch genommen werden.

Welche Rolle sehen sie bei der Umsetzung der Strategie für sich, etwa im Rahmen der IT-Konsolidierung?

Jabkowski: Ich hatte es ja bereits erwähnt, Hessen setzt sich im Bereich der digitalen Verwaltungsmodernisierung gerne ehrgeizige Ziele. Ausdruck davon ist natürlich auch die aktuelle IT- und E-Government-Strategie des Landes. Die Landesregierung hat erkannt, dass es deshalb einer weiteren Verstärkung der ressort-übergreifenden Koordinierung bedarf,  damit man auch in den ganz alltäglichen Projekten noch besser vorankommt. Hieran mitzuarbeiten und damit Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer bei seiner CIO-Tätigkeit zu unterstützen, ist eine meiner zentralen Aufgaben. Im Alltag bedeutet dies, dass ich beispielsweise Ansprechpartner für die klassischen Stakeholder oder auch Initiator für neue Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten bin. In den vergangenen Jahrzehnten durfte ich bei meinen bisherigen Tätigkeiten im IT-Bereich, darunter mehr als zehn Jahre als Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung des Bundesrechenzentrums in Österreich, einiges an Erfahrung sammeln. Was die IT-Konsolidierung in Hessen betrifft, so hat man auch ohne mich in den vergangenen Jahren eine wirklich überzeugende Wegstrecke zurückgelegt [lacht]. Aber natürlich bringe ich mich auch hier zukünftig ein, um mit meinen Kolleginnen und Kollegen nach weiteren Potentialen zu suchen.

Welche Aktivitäten plant das Land Hessen auf dem Gemeinschaftsstand des IT-Planungsrats im Public Sector Parc?

Jabkowski: Präsentiert werden in diesem Jahr verstärkt IT-Fachverfahren, die ebenenübergreifend einen klaren Mehrwert für alle Beteiligten haben. Föderale IT-Kooperationen reduzieren beispielsweise die Kosten und schaffen erhebliche fachliche Synergien. Als erfolgreiches Beispiel wird unter anderem das von Hessen entwickelte elektronische Wohngeldverfahren vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt werden die Cyber-Sicherheit und hier neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen sein. Die CeBIT als weltweite Leitmesse für IT ist natürlich ein ideales Umfeld, um mit den zahlreichen Akteuren über die neuesten Entwicklungen, aber auch über drängende Zukunftsfragen im Gespräch zu bleiben. Ich freue mich jedenfalls sehr, auf meine erste CeBIT als hessischer Co-CIO.

Wo sehen Sie in den kommenden Monaten Ihre drängensten Aufgaben als Co-CIO?

Jabkowski: Bund, Länder und Kommunen stehen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vor gewaltigen Herausforderungen im Bereich der IT. Sie planen, beschaffen, entwickeln und betreiben ihre IT größtenteils unabhängig voneinander. Ein wirklicher Know-how-Transfer und eine Bündelung von Ressourcen finden so nicht statt. Deshalb sage ich ganz klar: Kooperation ist weit mehr als ein Gebot der Stunde. Es ist auch ein Gebot der Vernunft. Die Gründung einer ‚Föderalen IT-Kooperation‘ wird die Arbeit des IT-Planungsrates deutlich erleichtern und einer Zusammenarbeit der staatlichen Akteure wichtige Impulse verleihen. Für solch eine Kooperation setzt sich Hessen, setze ich mich daher gerne voller Überzeugung ein. Auch in unserem eigenen Bundesland ist uns Kooperation wichtig. Beispielsweise arbeiten wir daran, dass wir bis zum Jahr 2019 bei unserem neuen Verwaltungsportal in Zusammenarbeit mit den Kommunen ein flächendeckendes Online-Angebot auf die Beine stellen. Davon abgesehen stehen natürlich auch anderen Themen, wie die zuvor angesprochenen Standardisierung und Konsolidierung der IT in der Landesverwaltung oder die weitere Gewährleistung der Informationssicherheit weit oben auf der Agenda. Sie merken, die Ärmel sind bereits hochgekrempelt. Denn auch in einem im IT-Bereich gut aufgestellten Bundesland wie Hessen, gibt es noch genügend zu tun. 

Quelle: Jabkowski, Roland: Kooperation ist das Gebot der Stunde"; in: eGovernment Computing, 3. März 2017.

© Alle Rechte vorbehalten. Vogel IT-Medien GmbH, Augsburg.

Schließen