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„Nur wer sich wohlfühlt, kann auch gute Arbeit leisten!“

Finanzstaatssekretärin Dr. Weyland zum Gesundheitsmanagement im Öffentlichen Dienst

Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Schon alleine aus diesem Grund erscheint es nur logisch, dass unser Wohlbefinden und damit auch unsere Psyche mit von Rahmenbedingungen abhängen, die wir an unserem Arbeitsplatz vorfinden. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass etwa zu viel beruflicher Stress auf Dauer krank machen kann. Insbesondere die Zunahme psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeiten und Frühverrentungen zeigt, dass dieses Thema eine hohe Aufmerksamkeit verdient. Klar ist aber auch: Ein gutes Arbeitsklima und ein positives Arbeitsumfeld sind durchaus gesundheitsfördernde Ressourcen. All dies hat den Bundesgesetzgeber bewogen, die „psychischen Belastungen bei der Arbeit“ in die nach dem Arbeitsschutzgesetz vorgesehene Beurteilung der Arbeitsbedingungen im Wege einer Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen.

Als ein Ressort, das schon angesichts der permanenten Fortentwicklung der Steuergesetzgebung ständigen Neuerungen sowie organisatorischen und technischen Anpassungserfordernissen unterliegt, hat die hessische Finanzverwaltung dem Thema frühzeitig besondere Beachtung geschenkt. Wir begreifen es als eine wichtige Säule des behördlichen Gesundheitsmanagements. Als eine der ersten öffentlichen Verwaltungen in Hessen verfügen wir über ein für den gesamten Geschäftsbereich geltendes Grundkonzept zur Durchführung der Beurteilung arbeitsplatzbezogener psychischer Belastungen (Gefährdungsbeurteilung, kurz: GB Psych). Dieses wurde zusammen mit dem arbeitsmedizinischen Dienstleister des Landes Hessen, der medical airport service GmbH, entwickelt und erfüllt die Standards der Leitlinie der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Das für alle Dienststellen verbindliche Konzept verfolgt einen umfassenden Ansatz, indem es die GB Psych in das behördliche Gesundheitsmanagement integriert. Unabhängig von der gesetzlichen Verpflichtung ist also auch bei der GB Psych unser erklärtes Ziel, den Arbeitsalltag in den Dienststellen so gesundheitsförderlich wie möglich zu gestalten und dem Fürsorgegedanken bestmöglich Rechnung zu tragen. Denn wir möchten, dass in der hessischen Finanzverwaltung das Motto gelebt wird: „Nur wer sich wohlfühlt, kann auch gute Arbeit leisten!“

Kern des Konzepts GB Psych ist die sich wiederholende Durchführung einer PC-gestützten, freiwilligen und anonymen Mitarbeiterbefragung, die es allen teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, ihre persönliche Einschätzung zu ihrem Arbeitsplatz und den Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit unmittelbar einfließen zu lassen. Zu diesem Zweck ist der verwendete Fragebogen so aufgebaut, dass die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer bei den einzelnen Themenfeldern mit konkreten Aussagen konfrontiert werden und mit Hilfe einer vorgegebenen Skala angeben können, wie stark die jeweilige Aussage auf sie zutrifft. Zusätzlich zur Beurteilung der psychischen Belastungen ist außerdem eine Zufriedenheitsbefragung enthalten. Evaluiert wird dabei zum Beispiel die Zufriedenheit mit der Führungskultur, mit Fortbildungsangeboten, aber etwa auch mit der Verfügbarkeit und Ausstattung von Besprechungsräumen oder mit Kantinenöffnungszeiten und -angeboten. Damit geht das selbstentwickelte Befragungstool, das in der hessischen Finanzverwaltung angewandt wird, deutlich über die Anforderungen der reinen Gefährdungsbeurteilung und damit über die bundesgesetzlichen Vorgaben hinaus.

Eine sich an die Befragung anschließende Ergebniskommunikation, bis in die jeweilige Dienststelle und die einzelnen Arbeitsbereiche hinein, bietet Gewähr dafür, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Ergebnisse und den Umgang mit diesen informiert werden. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass es für die Akzeptanz der Mitarbeiterbefragung sehr von Vorteil ist, die Auswertung der Befragungsergebnisse durch einen Arbeitspsychologen des arbeitsmedizinischen Dienstes – also als externe Dienstleistung – und ausschließlich in aggregierter Form durchzuführen. Etwaigen Zweifeln hinsichtlich der Anonymität des Verfahrens kann somit von vorneherein begegnet werden. Darüber hinaus regelt eine in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptpersonalrat abgeschlossene Anonymitätsvereinbarung verbindlich alle Fragestellungen zu diesem Themenkomplex.

Angesichts der Größe des Finanzressorts und der damit einhergehenden Datenfülle ist die strukturierte turnusmäßige Durchführung des Verfahrens für uns unumgänglich. Nicht in jeder Ressortdienststelle wird jedes Jahr befragt. Vielmehr erfolgt die Befragung nach Gruppen, in welche die Dienststellen des Geschäftsbereichs eingeteilt werden. Soweit allerdings der Verwaltungsaufbau der Dienststellen verschiedener Gruppen homogen ist, werden Ergebnisse auch übertragen. So sind bei den in drei Regionalgruppen eingeteilten Finanzämtern die Ergebnisse einer im jeweiligen Turnus befragten Gruppe auch für die beiden anderen Gruppen repräsentativ, so dass Folgemaßnahmen aus einer Befragung für alle Finanzämter greifen können.

Auch die sich an die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung anschließende Maßnahmenplanung muss sich am Fürsorgegedanken orientieren. Neben der Einbindung aller zuständigen Stellen – Personal-, Organisations- und Automationsbereiche, aber auch der steuerlichen Fachreferate der Oberfinanzdirektion und des Ministeriums – bedarf es hierbei vor allem auch des Engagements der Führungskräfte. Ohne diese kann jede Anstrengung im behördlichen Gesundheitsmanagement letztlich nicht erfolgreich sein. Daher sind die Führungskräfte unseres Geschäftsbereichs für die Umsetzung des ganzheitlichen Gesundheitsmanagements mitverantwortlich. Dazu gehört, dass sie die gesundheitlichen Belange ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen und ihre Führungsinstrumente so nutzen, dass Belastungen am Arbeitsplatz, soweit möglich und vor Ort beeinflussbar, reduziert werden. Unerlässlich ist dabei, dass sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen und ihnen mit Vertrauen und Offenheit begegnen. Schon alleine auf diese Weise können sie deren Ressourcen und das psychische Wohlbefinden ungemein stärken. Angesichts dieser bedeutenden Rolle nehmen die Führungskräfte auch im Rahmen der Durchführung der GB Psych eine wichtige Funktion wahr. Ihnen obliegt die Kommunikation der Befragungsergebnisse auf Ebene der Arbeitsbereiche. Darauf werden sie im Vorfeld der Befragung in Workshops vorbereitet, in denen es um die Klärung der eigenen Rolle im Verfahren, die Vermittlung grundlegender Kenntnisse wie auch den Umgang mit den späteren Ergebnisberichten geht.

Das Ressortkonzept wurde in den vergangenen Monaten einer ersten Bewährungsprobe unterzogen. Im aktuellen Befragungsturnus wurde die GB Psych für alle 35 hessischen Finanzämter anhand einer Mitarbeiterbefragung in den zwölf Ämtern der Regionalgruppe Nord erstellt. Nachdem die Befragungsergebnisse den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Dienststellen sowie den zuständigen Interessenvertretungen vorgestellt und erläutert worden sind, gilt es nun, geeignete Folgemaßnahmen zu erarbeiten, umzusetzen und anschließend ihre Wirksamkeit zu evaluieren. Denn: Wir wollen, dass es unseren Beschäftigten gut geht!

Quelle: Bernadette, Dr. Weyland: „Nur wer sich wohlfühlt, kann auch gute Arbeit leisten!“; in: Behörden Spiegel, Nr. VI, 33. Jg., Juni 2017, S. 13.

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