Kein fröhliches Geldausgeben

EU lockert Richtlinien

Kassel. In engster Abstimmung mit Brüssel wurde der Airport Kassel bisher aufgebaut. Jetzt lockert die EU die Richtlinien. Der EXTRA TIP sprach mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Finanzminister Dr.  Thomas Schäfer.

ET: Hat Sie die Lockerung der Richtlinien überrascht?
Schäfer: Nein. Wir haben bei jeder Entscheidung am Flughafen Brüssel immer im Blick gehabt und sind stets mit der EU-Kommission im Gespräch gewesen, da wir ja in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Paderborn liegen und daher unter besonderer Beobachtung durch die EU waren. Unsere Aufsichtsratsmitglieder sind mittlerweile fit in puncto EU-Richtlinien. Und da hat es sich abgezeichnet, dass diese Lockerung kommt.

ET: Mit welcher Begründung?
Schäfer: Es hat sich gezeigt, dass diese Richtlinien nicht handhabbar sind. Man musste sich mit zu vielen Kleinigkeiten beschäftigen. Jetzt wurde beschlossen, sich auf große Fälle zu konzentrieren. Und das heißt: Auf Flughäfen mit einem Passagieraufkommen von über 200.000. Da haben wir noch etwas Luft.

ET: Calden stand anfangs nicht auf der EU-Liste.
Schäfer: Unser Flughafen fällt auch unter die Lockerung der Richtlinien. Davon haben wir uns natürlich sofort überzeugt. Wir haben immer eng mit der EU zusammengearbeitet und sind damit gut gefahren. Darauf habe ich immer bestanden. Probleme wie in Zweibrücken oder Hahn, wo Flughäfen auf Drängen der EU geschlossen oder unter schwierigen Verhältnissen verkauft werden mussten, sind uns erspart geblieben.

ET: Welche Folgen hat das für den Flughafen?
Schäfer: Bisher haben wir jede Entscheidung mit Blick auf Brüssel abgestimmt. Das bleibt uns ab sofort erspart. Die Verhandlungen mit Fluglinien werden dadurch einfacher. Das Damoklesschwert aus Brüssel hängt nicht mehr über uns. Wir könnten auch einfacher investieren, werden aber sparsam bleiben. Ein fröhliches Geldausgeben wird es nicht geben. Wir werden uns jetzt auf die Zusammenarbeit mit Schauinsland und Sundair konzentrieren und dann weitersehen.

ET: Wie sieht es mit der Überprüfung des Flughafens aus?
Schäfer: Das machen wir wie im Koalitionsvertrag vereinbart, voraussichtlich im Oktober. Dann sehen wir reale Zahlen zum  Sommerflugplan 2017, Buchungen für den Winterflugplan 2017/18 und die Planungen für den Sommerflugplan 2018, der dann etwa rauskommt.

ET: Die Linken haben im Landtag beantragt, den Flughafen runterzustufen und jeden einzelnen Ferien- oder Frachtflug gesondert zu beantragen.
Schäfer: Meine Bereitschaft, meine Entscheidungen auf Beiträgen der Linken aufzubauen, hält sich in eng gesteckten Grenzen.

Das Interview führte Rainer Hahne

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