Interview

„Digitale Verwaltung kann so herrlich sein!“

Herr Jabkowski, Sie sind Österreicher, sind nun beruflich von Wien nach Wiesbaden gewechselt. Haben Sie Online-Dienste genutzt, um Behördenangelegenheiten für den Wechsel bequem über das Netz zu erledigen?
Ich hatte das Glück, dass mich die lieben Kolleginnen und Kollegen bei meinem neuen Arbeitgeber bereits vor meinem Wechsel mit vielen nützlichen Informationen versorgt haben. Tatsächlich habe ich dann für die eigentlichen Behördenangelegenheiten versucht, diese möglichst online zu erledigen. Dabei durfte ich feststellen, dass in einigen Bereichen online schon sehr hilfreiche Angebote existieren. Doch viele Online-Funktionen sind in Deutschland an den neuen Personalausweis gekoppelt, was es für ausländische Bürger zum Teil unerlässlich macht, persönlich bei den Behörden vorstellig zu werden. Als Entscheidungsträger im Bereich der Verwaltungsmodernisierung habe ich also hautnah erleben dürfen, dass noch nicht alles Gold ist, was glänzt (lacht). Viele Dinge sind auf einem guten Weg, aber es gibt natürlich noch vieles, was wir besser machen können.  

Hessen hat vor zwei Jahren sein Modernisierungsprogramm „Digitale Verwaltung Hessen 2020“ verabschiedet. Wenn ich als Bürger im Jahr 2020 mit der Verwaltung interagieren muss – was wird sich dann grundlegend verändert haben im Vergleich zu heute?
Hessen gilt zu Recht als ein Vorreiter der Verwaltungsmodernisierung in Deutschland. Erst kürzlich haben wir ein neues Verwaltungsportal, das sich auch an die Bürgerinnen und Bürger richtet, freigeschaltet. Unter www.service.hessen.de können schon jetzt Online-Antragsverfahren, beispielsweise im Bereich des elektronischen Rechtsverkehrs oder für BAföG-Anträge, in Anspruch genommen werden. Wir werden das Angebot in den kommenden Jahren stetig ausbauen und auch ein Servicekonto einrichten. Über dieses Konto soll es dann möglich sein, mit den Verwaltungen in Kontakt zu treten und schnell zielgerichtete Antworten zu erhalten. Auf die Bürgerinnen und Bürger warten also in den kommenden Jahren einige interessante, sehr serviceorientierte Neuerungen.

Welche Herausforderungen sehen Sie, um die Digitalisierung der Verwaltung weiter voranzutreiben?
Lassen Sie mich an dieser Stelle zwei Herausforderungen benennen, die ich persönlich als besonders wichtig erachte. Eine Herausforderung ist die Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen. Digitalisierung ist ja kein Selbstzweck! Am Ende soll die Digitalisierung allen Beteiligten den gesamten Prozess erleichtern und dies gelingt nur, wenn die neuen Verfahren leicht bedienbar sind und von möglichst vielen genutzt werden.

Eine weitere zentrale Herausforderung: Die dringend benötigte, verstärkte Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen auf dem Gebiet der öffentlichen IT. Alle drei Ebenen stehen hier vor gewaltigen Herausforderungen, die für eine Verwaltung im 21. Jahrhundert zugleich auch mannigfaltige Chancen bieten. Bürgernah und serviceorientiert, so stelle ich mir eine moderne Verwaltung vor. Deshalb müssen wir die Zusammenarbeit über die Ebenen hinweg verstärken. Davon werden alle profitieren – die Bürger und die Verwaltung. Davon bin ich überzeugt.

Menschen bewegen sich zwischen Verwaltungsgrenzen, wohnen bei uns im Norden zum Beispiel in Schleswig-Holstein und pendeln nach Hamburg. Welche Impulse sollte es geben, um Online-Verwaltungsdienste länderübergreifend einfacher nutzbar zu machen?
Ich hatte ja bereits vom Servicekonto gesprochen, an dem wir in Hessen gerade intensiv arbeiten. Ich meine, die Zeit ist einfach reif für ein Servicekonto, das der Bürger für alle  Behördenkontakte nutzen kann. Die Menschen möchten schnell und bequem die Leistungen des Staates in Anspruch nehmen und wenn es sein muss – auch bundeslandübergreifend. Die politischen Entscheidungsträger sollten die digitalen Wünsche der Bürger ernst nehmen und an entsprechenden Lösungen arbeiten.

Und zuletzt: Gibt es Ansätze oder Lösungen für Verwaltungsmodernisierung aus Österreich, die Sie gerne auch in Deutschland umgesetzt sehen würden?
Die gibt es. In der Tat. Nur ein Beispiel: Während die Eltern nach der Geburt eines Kindes früher mit den notwendigen Papieren und Unterlagen von A nach B durch die Behörden ziehen mussten, ist es vor einigen Jahren in Österreich gelungen, diesen Prozess komplett zu überarbeiten. Nachdem das Krankenhaus die Geburt des Kindes festhält und diese dann ins Personenstandregister aufgenommen wird, kann der gesamte Folgeprozess bis zur Auszahlung des Kindergeldes ohne Interaktion der Eltern ablaufen, da alle notwendigen Informationen bereits in den verschiedenen Verwaltungen vorliegen. Digitale Verwaltung kann so herrlich sein! 

Quelle: Kundenmagazin Dataport, Ausgabe vom September 2017.

Schließen