Interview

Co-CIO für Hessen

Als hessischer Co-CIO will Roland Jabkowski Brücken bauen und Entscheider an einen Tisch bringen. Wie er den E-Government-Bereich des Landes mitgestaltet, erklärt der ehemalige Geschäftsführer des österreichischen Bundesrechenzentrums im Interview mit Verena Barth für die Zeitschrift Kommune21 (Ausgabe 9/2018).

Herr Jabkowski, seit dem Jahr 2017 unterstützen Sie als Co-Chief Information Officer den hessischen CIO, Finanzminister Thomas Schäfer, bei der Verwaltungsmodernisierung. Was gab in Hessen den Anstoß, das Amt eines Co-CIOs einzurichten? 

Im Jahr 2015 hatte Hessen die ‚Digitale Verwaltung Hessen 2020‘ vorgestellt. Mit der digitalen Agenda treiben wir die Verwaltungsmodernisierung weiter voran. Hierbei gilt es eigene Strukturen stetig zu verbessern und alle Kräfte zu bündeln. Hessen hat in diesem Kontext klugerweise erkannt, dass eine weitere Verstärkung der ressort-übergreifenden Koordinierung sinnvoll ist, um neben den strategischen Grundsatzfragen auch in den ganz alltäglichen Projekten noch besser voran zu kommen.

Wie sind Sie zu diesem neuen Amt gekommen?

Der gute Ruf, den Hessen bereits seit vielen Jahren im Bereich des eGovernment genießt, war auch in Österreich klar vernehmbar. Mich persönlich hatte zum damaligen Zeitpunkt ein beruflicher Perspektivwechsel gereizt. Nach den ersten, sehr angenehmen Gesprächen in Wiesbaden fühlte ich mich darin bestätigt, diese spannende Aufgabe, nämlich Hessen weiter als Spitzenbundesland im Bereich des eGovernment mitzuprägen, anzunehmen.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit als Co-CIO gesetzt? Mit welchen Erwartungen sind Sie es angetreten?

Mein wesentliches Ziel war und ist es, spürbare Ergebnisse zu produzieren. Auch wenn so manches Vorhaben in der Umsetzung natürlich seine Zeit braucht. Ich möchte Brücken bauen und die Entscheidungsträger an einen Tisch bringen. Denn auch im eGovernment geht es nur gemeinsam!

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen CIO und Co-CIO? Welche Vorhaben konnten seit Ihrem Amtsantritt angegangen, vorangebracht oder umgesetzt werden?

Die Zusammenarbeit zwischen dem Finanzminister und mir ist von einer sehr angenehmen, kollegialen und zielgerichteten Arbeitsweise gekennzeichnet. Dies gilt im Übrigen auch für die Zusammenarbeit mit den vielen anderen Kollegen, etwa dem Hessischen Innenminister. Gemeinsam haben wir beispielsweise den Aufbau des neuen Verwaltungsportals auf den Weg gebracht. Bis zum Jahr 2019 ist ein flächendeckendes Online-Angebot vorgesehen. Verwaltungsvorgänge können dann jederzeit, papierlos und bequem von Zuhause aus gestellt werden. Das neue Onlinezugangsgesetz schreibt Politik und Verwaltung vor, bis zum Jahr 2022 alle Verwaltungsangebote zu digitalisieren. Wir arbeiten deshalb intensiv mit allen Akteuren zusammen und setzen derzeit im Rahmen des Projekts der Digitalen Modellbehörde die gesetzlichen Vorgaben um. Dies sind nur zwei von zahlreichen Projekten. 

Vor Ihrem Amtsantritt in Hessen haben Sie in Österreich bereits über Jahrzehnte Erfahrungen im IT- und Verwaltungsbereich gesammelt. Wie nützen Ihnen diese Erfahrungen jetzt? Wie konnten Sie diese Erfahrungen bislang als hessischer Co-CIO einbringen? 

Vieles, was ich in meiner vorherigen Funktion im Bundesrechenzentrum in Wien lernen durfte, hilft mir heute sicherlich weiter. Hier konnte ich ein gutes Verständnis für neue Prozesse und Verfahren in Verwaltungsstrukturen entwickeln. Als Geschäftsführer im Bundesrechenzentrum habe ich außerdem gelernt, wie wichtig eine nachhaltige Finanzierung von IT-Projekten ist. Der Einsatz von moderner IT darf kein Selbstzweck sein, er muss den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und natürlich auch der Verwaltung dienen. Aber natürlich lerne ich auch tagtäglich neu dazu. Es ist immer wichtig, offen für Neues zu sein, viele Meinungen zu hören und sich neuen Entwicklungen nicht zu verschließen, um am Ende das Mögliche machbar zu machen.  

In welchen Bereichen ist Hessen hinsichtlich der Digitalisierung der Verwaltung bereits gut aufgestellt? Und in welchen Bereichen besteht Nachholbedarf?

In Hessen hat man schon sehr früh einen besonderen Fokus auf die Standardisierung von Querschnittsverfahren gelegt. Wir konnten so nicht nur unsere IT-Kosten erheblich senken, sondern auch in der Breite neue IT-Innovationen auf dieser Basis aufbauen. Beispielhaft sind hier der in der Verwaltung landesweit eingesetzte HessenPC und die einheitliche Landschaft für das Personal- und Rechnungswesen.

Wie viele Öffentliche Verwaltungen anderer Bundesländer auch, hat auch Hessen bei der Gewinnung neuer IT-Fachkräfte sicherlich einen gewissen Nachholbedarf. Vor diesem Hintergrund haben wir uns beispielsweise dazu entschieden, gemeinsam mit der Hochschule RheinMain zum Start des Wintersemesters ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik, mit dem Schwerpunkt Verwaltungsinformation, aufzusetzen. Dadurch werden wir zukünftig neue kluge Köpfe für unsere Verwaltung gewinnen können. Das ist ein prima Ansatz.  

Welche sind die derzeit drängendsten Herausforderungen mit Blick auf die Verwaltungsdigitalisierung in Hessen und stehen auf Ihrer Agenda deshalb ganz oben?

Wie alle anderen Länder und auch der Bund, steht Hessen mit der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes eine große Aufgabe ins Haus. Zur flächendeckenden Digitalisierung der Behördenleistungen wurde deshalb bereits 2017 das Vorhaben einer Digitalen Modellbehörde begonnen. Erste Umsetzungen sind in diesem Jahr erfolgt.

Welche Hindernisse sind auf diesem Weg zu nehmen? Und wie kann und muss ihnen aus Ihrer Sicht begegnet werden?

Um diese Herkulesaufgabe zu bewältigen, müssen alle Akteure zukünftig ebenenübergreifend noch viel stärker miteinander zusammenarbeiten. Daher möchte Hessen weiter, und noch verstärkter als bislang, aktiv die Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und Kommunen suchen. Für notwendige Neuentwicklungen sollte meiner Meinung nach der Grundsatz gelten: Kooperation bei der Entwicklung geht vor alleiniger Entwicklung.

Was unterscheidet Deutschland – und in diesem Zusammenhang vor allem Hessen – von Österreich mit Blick auf die Digitalisierung der Verwaltung? Und wo bestehen Gemeinsamkeiten? Inwiefern können Deutschland, Hessen und Österreich voneinander lernen?

Österreich ist im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung grundsätzlich schon sehr gut aufgestellt. Besonders den dortigen, vergleichsweise pragmatischen Ansatz kann man sicherlich hervorheben. In Deutschland wird zumeist nach Perfektion gestrebt. Natürlich soll das Ergebnis am Ende sehr gut werden, aber zu viel Perfektionismus kann für den Fortschritt auch hinderlich sein. Andererseits sehe ich im IT-Föderalismus in Deutschland großes Potential für die konsequente Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung. Grundvoraussetzung dafür ist aber die verstärkte Zusammenarbeit. Lasst uns voneinander lernen, lasst uns einander helfen. Nur so geht es. Das muss in unser aller Köpfe rein!

Welche sind die nächsten Ziele, die Hessen im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung erreichen möchte und wie tragen CIO und Co-CIO zum Erreichen dieser Ziele bei?

Wir wollen für die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen einfach zu bedienende, sichere und medienbruchfreie Verwaltungsangebote schaffen, die flächendeckend und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Zum Beginn der neuen Legislaturperiode möchten wir eine fortgeschriebene, schlagkräftige Programmorganisation aufgebaut haben, die die Digitalisierung der hessischen Verwaltung weiter vorantreibt. Für dieses Ziel arbeiten wir  und dafür wollen wir auch die notwendige Akzeptanz in Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung schaffen.

Quelle: Jabkowski, Roland: Co-CIO für Hessen; in: Kommune21, Ausgabe 9/2018.

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