Interview

Arbeit zu den Menschen bringen

Interview mit Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer mit den Bezirksnachrichten der hessischen Finanzämter und der Oberfinanzdirektion (Ausgabe 1/2017 im Juni 2017)

Frage: Herr Minister Dr. Schäfer, welche Ziele streben sie mit der Strukturreform an?
Antwort: Wir wollen durch die Bündelung von Aufgaben weiter an Effektivität gewinnen, Aufgaben zentral zusammenfassen, dort, wo es sinnvoll ist. Gleichzeitig schaffen wir durch die Reform sichere und attraktive Arbeitsplätze auch jenseits der großen Zentren. Das ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt. Gerade die Präsenz in der Fläche hat für uns als Steuerverwaltung einen großen Stellenwert. Dadurch hilft uns die Strukturreform auch bei der Nachwuchsgewinnung. In den Regionen jenseits der großen Zentren finden wir in diesen Tagen und Wochen sehr viele und vor allem sehr viele gute Bewerberinnen und Bewerber in allen Laufbahnen. Deshalb ist es gut und richtig, auch dort zu investieren.

Frage: Woher die plötzliche Trendwende, Verwaltung wieder in Richtung ländlichen Raum zu verlagern?
Antwort: Es kommt nicht plötzlich. Seit Jahren versuchen wir mit unseren Mitteln, die Regionen Hessens zu stärken, die kein Ballungsraum sind. Der Kommunale Finanzausgleich etwa gibt Städten und Gemeinden im ländlichen Raum höhere Zuweisungen. Aber es stimmt: Beim Stichwort Zentralisierung hatte man sich daran gewöhnt, dass das eben heißt, dass die Zentren weiter gestärkt werden, zulasten ländlicherer Regionen. Gerade die Digitalisierung hilft uns aber, den genau umgekehrten Weg zu gehen. Es ist eben mittlerweile auch technisch möglich, eine zentrale Stelle fürs ganze Land in den Vogelsberg  zu legen. Wir machen den Anfang. Ich würde mich freuen, wenn andere nachziehen.

Frage: Was bedeutet das für die Steuerverwaltung?
Antwort: Dank des verstärkten Einsatzes der IT ist heute in vielen Bereichen ein ortsunabhängiges Arbeiten möglich. Gleichzeitig sind mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens die Grundlagen für so genannte Arbeitsverlagerungen geschaffen worden. Wir werden uns in Zukunft weiter sehr genau anschauen, wie wir das alles sinnvoll nutzen können. Zur Steigerung der Effektivität der Verwaltung, zur Stärkung der Regionen aber vor allem auch zum Wohle der Kolleginnen und Kollegen in den Finanzämtern.

Frage: Arbeitsplätze aufs Land verlagern: Ist das nicht gleichzeitig eine Schwächung der Zentren?
Antwort: Nein. Verlagerung heißt natürlich auch, dass Ämter Dienstposten abgeben. Die abgebenden Ämter bleiben aber nach wie vor die großen unter den hessischen Finanzämtern. Hessinnen und Hessen haben aber überall im Land sichere, attraktive und hochwertige Arbeitsplätze verdient. Daran arbeiten wir. Es geht nicht darum, einen neuen Gegensatz gegenüber den Städten oder Ballungszentren aufzubauen. Eine Verlagerung von Arbeitsplätzen raus in die Regionen können unsere hessischen Zentren gut vertragen. Ein teils angespannter Wohnungsmarkt, Belastungen für Mensch und Umwelt durch lange Wege zur Arbeit: hier kann ein größeres Angebot von attraktiven Arbeitsplätzen auf dem Land auch ein wenig zur Entspannung beitragen. Ein Anfang ist gemacht. Und die Reaktionen aus den Ämtern wie aus der Politik sind äußerst positiv. Mein Eindruck ist, dass wir mit dem Schritt aufs Land ein Zeichen setzen, das dort lange schon erwartet wurde.

Frage: Zum Abschluss – Was war eigentlich Ihr Eindruck vom Besuch in Bensheim, Lauterbach und Fritzlar?
Antwort: Mein Eindruck aus unzähligen Besuchen vorher hat sich eindrucksvoll bestätigt: In den hessischen Finanzämtern arbeiten hochmotivierte Kolleginnen und Kollegen! Zudem sind sie offen für Veränderung. Strukturreformen bringen natürlich viele Fragen mit sich. Deshalb war es mir wichtig, dass die Personalvertretung eng eingebunden ist. Mir wird der Besuch in den drei Finanzämtern aber auch in Erinnerung bleiben, weil er just an dem Tag stattfand, an dem wir die Übertragung der Ergebnisse der Tarifverhandlungen auf den Beamtenbereich und damit eine deutliche Gehaltssteigerung, die Rückkehr zu 40-Stunden-Woche und die Einführung des Jobtickets verkünden konnten. Das haben sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter redlich verdient.

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